Aktuelle Nachrichten

02.08.2025 | 2025

Nachruf auf Andrea Krull

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Andrea Krull, die vor wenigen Wochen von uns gegangen ist. Dies erfüllt uns mit tiefer Betroffenheit und Traurigkeit.

Andrea Krull war eine Pionierin. Eine unermüdliche Kämpferin. Eine, die unzähligen Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen geholfen hat – nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich. Sie hat ihnen eine Stimme gegeben, wo vorher Stille war. Sichtbarkeit geschaffen, wo Unsichtbarkeit herrschte. Hoffnung gesät, wo viele nur Dunkelheit sahen. 

Die Zusammenarbeit mit ihr war außerordentlich wertvoll. Sie brachte Perspektiven zusammen – die der Betroffenen, der Angehörigen, der Pflegenden, der Ärztinnen und Ärzte – und verlor dabei nie den ganzheitlichen Blick auf die Frau als Mensch. Besonders am Herzen lagen ihr Frauen mit Eierstock-, Eileiter- und Bauchfellkrebs. Doch ihr Wirken reichte weit darüber hinaus: Sie setzte sich leidenschaftlich, klug und beharrlich für alle Frauen mit gynäkologischen Tumoren ein.

Mit großer Überzeugung und Herzblut engagierte sie sich für die klinische Forschung, insbesondere für die Einbindung von Patientinnen in Studien. Sie wusste, wie entscheidend Teilhabe, Zugang und Vertrauen für Fortschritt und Gerechtigkeit in der Medizin sind.

Andrea Krull war nicht nur national, sondern auch international aktiv und prägend – in Netzwerken, Studiengruppen, der politischen Interessenvertretung und der gesellschaftlichen Aufklärungsarbeit. Sie arbeitete eng in ENGAGe, dem europäischen Netzwerk für gynäkologische Krebs-Selbsthilfegruppen, in Kooperation mit der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO), um Patientinnenvertretung europaweit zu stärken. Sie war Initiatorin der Vernetzung der Selbsthilfegruppen für Frauen mit Eierstockkrebs in Deutschland und half maßgeblich beim Aufbau dieser so wichtigen Unterstützungsstrukturen.

Ihre Energie, ihre Beharrlichkeit, ihr feiner Humor – all das wird uns sehr fehlen. Sie hinterlässt nicht nur eine fachliche Lücke, sondern auch eine menschliche.

Wir danken Andrea Krull für ihre engagierte Mitwirkung an der Erstellung von Informations- und Aufklärungsmaterialien, an der Entwicklung medizinischer Leitlinien, an der Konzeption und Durchführung klinischer Studien sowie an der stetigen Förderung von Qualität in der Versorgung – insbesondere bei Eierstockkrebs, aber auch bei anderen gynäkologischen Krebserkrankungen. Ihre Stimme war wegweisend. Ihr Einsatz unverzichtbar.

Andrea Krull hat nicht für sich, sondern für andere gelebt. Sie war Mitgründerin, Gestalterin, Möglichmacherin – bei Eierstockkrebs Deutschland, dem Verein für Gynäkologische Krebserkrankungen Deutschland e. V., in Leitlinienkommissionen, Forschungspartnerschaften, der AGO-Studiengruppe, der Organkommission Ovar der AGO, der NOGGO, der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs und in internationalen Netzwerken wie ENGAGe der ESGO. Ihre Ideen, ihre Hartnäckigkeit und ihr unermüdliches Engagement haben die Versorgung in Deutschland und darüber hinaus nachhaltig verändert. Es ist ein tiefer Verlust. Ihr Vermächtnis bleibt. Wir werden ihre Vision weitertragen – als Allianz aus Wissenschaft, Praxis, Patientinnenvertretung und Gesellschaft. 

In tiefer Dankbarkeit für alles, was sie gegeben hat.

Für die Organkommission Ovar der AGO, die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs, die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO), die Nord-Ostdeutsche Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie (NOGGO) und die AGO-Studiengruppe

Prof. Dr. Jalid Sehouli (Berlin)